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04.09.2015, 15:21 Uhr | Hamburger Abendblatt / Sabrina Mazzola
Später Erfolg bei Fahndung im ZDF
Beitrag zu mutmaßlichem schwarzen Vergewaltiger in "Aktenzeichen XY" doch gezeigt
Aha, ein Ausländer! Das war ja klar! - Vor dieser Reaktion hatte Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann Angst, als sie vor zwei Wochen entschied, einen Beitrag über einen mutmaßlichen Vergewaltiger in Dortmund nicht in der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" zu senden. Der Grund: Der Gesuchte ist schwarz. Wegen der Situation der Flüchtlinge wollten sie "kein Öl ins Feuer gießen und keine schlechte Stimmung befördern. Das haben diese Menschen nicht verdient", sagte Reize-Wildemann vor zwei Wochen.
MdB Huber lobt finale Entscheidung von Chefredakteurin Reize-Wildemann
Berlin -
Das löste eine Kontroverse aus: Angebrachte politische Korrektheit oder vorauseilende Selbstzensur? Dem ZDF schien Letzteres näher, daher entschied der Sender, den Beitrag doch wie geplant am 2. September zu senden. Und dann: Die Ausstrahlung in der Sendung brachte den Erfolg, den die Dortmunder Polizei in anderthalb Jahren Fahndung nicht hatte. 20 Hinweise gingen ein, darunter eine "vielversprechende Spur nach Frankreich", wie Kriminaloberkommissarin Ulrike Hillebrand bei "XY" sagte. 
 
Der Fall steht exemplarisch für die deutsche Unsicherheit im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund. Die Äußerung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, Roberto Blanco sei ein "wunderbarer Neger", sorgte erst vor drei Tagen für berechtigten Ärger.
 
Fragt man die Betroffenen, stellt sich heraus: Sie selbst sehen die vermeintliche politische Korrektheit oft als verkrampft und halten die Ausstrahlung des Aktenzeichen-Beitrags für richtig.
 
Charles Huber: "Das war eine richtige Entscheidung"
 
Charles Huber etwa. Der 58-jährige Bundestagsabgeordnete stammt nicht nur aus dem Senegal, sondern ist auch Ehrenkommissar der bayerischen Polizei. "Die Ausstrahlung finde ich absolut richtig. Man muss sich zuallererst an das Gesetz halten, es darf keinen Bonus für niemanden geben", sagt der CDU-Mann überzeugt. Mehr noch: "Wenn jemand von der Strafverfolgung wegen eines bestimmten Merkmals verschont wird, wird das den gegenteiligen Effekt haben. Die Täter würden sich denken: Wenn ich eine Straftat verübe, passiert mir nichts, weil ich schwarz, grün oder gelb bin."

Tahir Della, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, sieht das ähnlich. "Ein mutmaßlicher Straftäter darf nicht von der Strafverfolgung geschützt werden." Wenn es ein Fahndungsfoto gebe, müsse das auch gezeigt werden. Gegen allgemeine Täterbeschreibungen im Sinn von "südländischem Aussehen" wehrt er sich jedoch. "Die Tatsache, dass jemand schwarz ist, hebt nicht auf ein individuelles Merkmal ab", meint Della. Der Kreis der Täter werde so kaum effektiv eingeschränkt.
 
Allerdings: In Bezug auf die Personenbeschreibung in der Sendung, "30- bis 40-jähriger Mann mit dunkler Haut, heller Stoffjacke und auffälliger, dunkler Umhängetasche, der gepflegt wirkte und akzentfrei Deutsch sprach" ist die Hautfarbe ein hervorstechendes Merkmal. Das sieht auch der Geschäftsführer der Polizeigewerkschaft, Sven-Erik Wecker, so. "Man kann wegen der Hautfarbe keinen Unterschied machen - das ist ja gerade der Sinn des Gleichheitsgrundsatzes." Die Bedenken wegen der Situation der Flüchtlinge hält er in diesem Zusammenhang für falsch. "Wenn man aufgrund der aktuellen Ereignisse Einschränkungen in der polizeilichen Ermittlungsarbeit machen würde, wäre das bedenklich."