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01.09.2015, 12:28 Uhr | Darmstädter Echo / kl/dpa
Charles M. Huber: Eine Beleidigung
"Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat", sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in Frank Plasbergs ARD-Talkshow "Hart aber fair". "Holla", sagte Plasberg. Und der Weg war frei für einen heftigen Shitstorm im Internet, deftige Kritik und Rücktrittsforderungen. Im Internet brach ein Shitstorm über Herrmann herein. Einer twitterte unter dem Hashtag #Herrmann sogar: "Läuft das CSU Verbotsverfahren schon?" Ein User namens Patrick Daniel schrieb: "Das ist genau die Art von Rassismus, die einen am meisten sprachlos macht!" und fügte noch den Hashtag #widerlich hinzu.
 
MdB Huber übt Kritik an Herrmanns Äußerung (Archivfoto: Karl-Heinz Bärtl)
Darmstadt/ Berlin/ München -  
Die Politik reagierte erwartungsgemäß heftig: Eine "ungeheuerliche Entgleisung", nennt der Chef der oppositionellen SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, die Wortwahl des CSU-Politikers. "Herr Herrmann muss sich als Innenminister bewusst sein, dass die Bezeichnung ,Neger' eine rassistische Provokation und Zeichen eines engstirnigen, fremdenfeindlichen Menschenbildes ist. Dafür sind schon Leute verurteilt worden." Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Jan Korte, fordert Herrmanns Rücktritt, und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner wirft ihm die "Sensibilität einer Planierraupe" vor.
 
Scharfe Kritik an den Äußerungen Herrmanns übte auch der Darmstädter CDU-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber. "Jeder Dunkelhäutige muss das Wort Neger als eine persönliche Beleidigung empfinden", sagte Huber, der selbst Sohn eines senegalesischen Diplomaten ist. Er meine das "durchaus im juristischen Sinne", betonte der Christdemokrat. Auch durch Herrmanns ironischen Zusatz "wunderbar" werde die Sache nicht besser, eher sei das Gegenteil der Fall. Mit seiner unbedachten Äußerung in einer angeheizten Atmosphäre habe Herrmann allen, die sich ernsthaft mit der Asylproblematik auseinandersetzen, und nicht zuletzt den vielen ehrenamtlichen Helfern "einen Bärendienst" erwiesen. Einem Amtsträger wie dem bayerischen Innenminister "darf so etwas nicht passieren", sagte Huber.
 
"Diese Äußerung ist unerträglich", sagt der Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tahir Della, in Berlin. Herrmann zeige damit, "dass rassistischer Sprachgebrauch immer noch nicht wirklich ernst genommen wird und wie tief verwurzelt er ist". Gar kein Problem hat übrigens der Mann, um den es in dem Zitat geht: Roberto Blanco fühlt sich in keiner Weise beleidigt: "Wenn er gesagt hätte: Ein wunderbarer Farbiger, hätte es nicht so viele Probleme gegeben." Und: "Vielen herzlichen Dank, dass er mich als wunderbar bezeichnet." 

Den Artiekl im Original finden Sie hier.