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14.03.2014, 16:12 Uhr | FAZ /Werner Breunig
Fall Huber führt zu Streit in Darmstädter CDU
Kreisvorsitzender „soll abtreten“
„Der kleine Parteifunktionär Kotoucek soll abtreten“ - diese Forderung ist in der Darmstädter CDU laut geworden, weil die Partei die Kooperation mit ihrem Bundestagsabgeordneten Charles Huber aufgekündigt hat.
Charles Huber, CDU-Bundestagsabgeordneter der Darmstädter CDU (Foto: dpa)
Darmstadt -
Aus München hat die Darmstädter CDU ihren Bundestagskandidaten geholt. Jetzt lässt sie ihn fallen, will nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten. Charles M. Huber, bekannt geworden als Inspektor Johnson in der Krimiserie „Der Alte“, ist inzwischen Bundestagsabgeordneter. Zwar unterlag er der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), über die Landesliste gelangte er aber in das Parlament.
 
Man habe vor der Nominierung genau hingeschaut, sagte gestern Karin Wolff. Die CDU-Landtagsabgeordnete war via Internet auf den Bayern mit dunkler Hautfarbe gestoßen und hatte als Vorsitzende der Findungskommission den Kontakt zu ihm geknüpft. Die Partei hoffte, von dem bewegten bunten Leben des Schauspielers zu profitieren, nahm auch gerne hin, einen unorthodoxen Kandidaten zu bekommen. Das Ergebnis fiel achtbar aus für Huber, der sich schon im Wahlkampf gerne ins Rampenlicht stellte. Nicht glücklich sei sie heute über das, was danach gekommen sei, äußerte Wolff. Man sei an den „falschen Typen“ geraten, habe eine gedeihliche Zusammenarbeit versucht, die Hoffnungen hätten sich in der „realen Arbeit“ aber nicht erfüllt. Klare Differenzen hätten sich herausgebildet.
 
Ein großes Missverständnis
 
Aufschlüsseln oder vertiefen wollte sie das nicht. Doch schon im Wahlkampf war ersichtlich, dass die Zusammenarbeit ein großes Missverständnis war. Am Wahlabend ließ sich Huber nicht blicken, sprach vielmehr davon, er sei von der Darmstädter CDU sabotiert worden. Parteiintern kursierten bald Anekdoten über Huber, seine Eitelkeit, sein Schwadronieren, seinen fehlenden Fleiß und seine Oberflächlichkeit. Doch er schaffte es immer wieder, sich medial in den Mittelpunkt zu stellen. In Berlin hält er stets seine Autogrammkarten parat.
 
Derzeit ist Huber, Mitglied des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in der Elfenbeinküste unterwegs. Von dort aus richtete er gestern heftige Vorwürfe gegen die Darmstädter Parteifreunde und besonders gegen den Kreisvorsitzenden Ctirad Kotoucek. Er sprach von Streit um ein Büro in der Geschäftsstelle, Zwist um eine Mitarbeiterin, vor allem aber davon, dass er ausgebremst worden sei, als er für die amerikanischen Kasernen in Darmstadt einen Investor habe präsentieren wollen.
 
„Dilettantisch und amateurhaft“
 
Kotoucek, der im Aufsichtsrat des Bauvereins sitze, der als Darmstädter Wohnungsbaugesellschaft schließlich das Gelände der amerikanischen Wohnungen in der Lincoln Area vermarkten soll, sei in einem Interessenkonflikt. Er müsse als CDU-Kreisvorsitzender zurücktreten. Auch sei nicht zu verstehen, dass der „kleine Parteifunktionär“ Kotoucek den Wahlkreis in Berlin nicht mehr von dem gewählten Abgeordneten vertreten sehen wolle, sondern diese Aufgabe an Mandatsträger aus den Nachbarwahlkreisen weiterreiche. Der in Mühltal wohnende Huber nimmt für sich in Anspruch, mit seiner Popularität den Wählerauftrag zu erfüllen. Kotouceks Verhalten sei dilettantisch und amateurhaft, von Emotionen geprägt.
 
Der so Gescholtene reagierte gelassen auf die Vorwürfe. Das alles sei „nicht das Thema“. Seit dem Wahlabend hätten sich die Gremien mehrfach mit der Causa Huber beschäftigt, und in der vergangenen Woche habe man einstimmig beschlossen, mit dem Abgeordneten nicht mehr weiter zusammenzuarbeiten. Das sei mit der Landkreis-CDU abgestimmt. 

Den Artikel im Original finden Sie hier.