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01.09.2015, 14:47 Uhr | Der Tagesspiegel / René Bosch
CDU-Politiker Huber: "Das hat unser Land nicht verdient"
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gerät nach seinen Äußerungen über Roberto Blanco in der ARD unter Druck - auch aus eigenen Reihen.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der gestern durch einen Kommentar in der ARD-Sendung "Hart aber Fair" für Aufsehen sorgte, wird für seine Aussagen harsch kritisiert. Der Bundestagsabgeordnete Charles Huber (CDU) sagte dem Tagesspiegel: "Das ist eine Beleidigung, das geht nicht. So etwas betrifft nicht nur Flüchtlinge, sondern auch normale Bürger, Abgeordnete und sogar Staatspräsidenten." 
MdB Huber zu den Äußerungen von Innenminister Herrmann.
Berlin -
Huber, der wie Herrmann aus Bayern stammt, zeigte sich geschockt über dessen Aussagen, "das hat unser Land nicht verdient", so Huber. Eine solche Wortwahl mache es schwer für Menschen anderer Hautfarbe, in Deutschland angenommen zu werden, sagte Huber, sie würden sich dann auch "Rattenfängern wie dem IS" anschließen.

Auch der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger zeigte sich empört hinsichtlich der Aussagen des bayerischen Innenministers. Er sagte dem Tagesspiegel: "(W)er von schwarzen Menschen als „Neger“ spricht, offenbart ein vorgestriges Denken und das Festhalten an rassistischen Mustern. Das kann man auch nicht weglächeln." Hermann offenbare nicht nur mit dem gestrigen, sondern auch mit Äußerungen zu schnellerer Abschiebung und der Unterscheidung in richtige und falsche Flüchtlinge eine Sicht auf die Flüchtlingsthematik, die "schlicht inakzeptabel" sei, sagte Riexinger weiter.
 
 
Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, schloss sich der fundamentalen Kritik Riexingers nicht an. „Sensibilität tut Sprache gut. Das wissen wir alle – auch Herr Herrmann, der das zum Glück heute im Morgenmagazin klar gestellt hat“, erklärte Göring-Eckhardt gegenüber dem Tagesspiegel.
 
Bereits am Vormittag trat der bayerische Innenminister der Kritik entgegen. Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Hermann, er benutze das Wort "Neger" sonst überhaupt nicht. Seine Äußerung, in der er Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" bezeichnete, sei auf einen Einspieler gefolgt, in dem ein Bayer sagte, er wolle "Neger überhaupt nicht haben".
Roberto Blanco erklärte gegenüber "FOCUS Online", er fühle sich nicht vom Innenminister beleidigt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das böse gemeint hat“, erklärte der 78-Jährige.
 
Der Umgang mit Worten wie "Neger" ist seit Jahren umstritten. 2013 sorgte die Entscheidung des Stuttgarter Thienemann Verlags für Aufsehen, die Worte "Neger" und "Zigeuner" aus Ottfried Preußlers Kinderbuch "Die kleine Hexe" zu streichen. Auch der Streit um den "Zwarte Piet", den schwarzen Peter in den Niederlanden und Belgien, zeigt die Hitze der Debatte.

Den Artikel im Original finden Sie hier.

Einen weiteren Artikel zum Thema im Tagesspiegel finden Sie hier.