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03.08.2015, 13:12 Uhr | Weserkurier / Ben Zimmermann
"Flucht löst Probleme nicht"
CDU-Politiker und Ex-Darsteller Charles M. Huber zur Zuwanderung (Interview mit dem Weserkurier)
Sie fordern, die Armutsflucht vor Ort zu bekämpfen: Ist das angesichts der unüberschaubaren Probleme in Afrika und Nahost nicht eine unlösbare Aufgabe?
Charles M. Huber: Wir dürfen die politisch Handelnden vor Ort nicht aus ihrer Verantwortung gegenüber ihrem eigenen Volk entlassen. Despoten, die korrupt herrschen und ihr Volk unterdrücken, werden sich von Appellen aus Europa kaum beeindrucken lassen. Wir betreiben ja Entwicklungspolitik. In diesem Rahmen sollten wir auch Informationskampagnen starten und die Menschen dort darüber aufklären, was sie hier in Europa wirklich erwartet. Viele denken, dass jeder in Europa sehr viel Geld hat. 
Charles M. Huber: Wir dürfen die politisch Handelnden vor Ort nicht aus ihrer Verantwortung gegenüber ihrem eigenen Volk entlassen - Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa
Meinen Sie denn, dass es die Menschen von der Flucht abhält, wenn man ihnen sagt, dass sie in Europa nicht das Schlaraffenland erwartet?
Charles M. Huber: Wir dürfen es zumindest nicht unversucht lassen. Und wir müssen auch definieren, was wirklich Not ist. Nehmen Sie den Balkan: Der überwiegende Teil der Menschen, die von dort fliehen, tut dies aus wirtschaftlichen Gründen. Das besonders Schlimme an der ganzen Sache ist: Die Schleuserbanden machen aus der Not der Menschen und unserem Mitleid ein Geschäftsmodell. Das ist inzwischen ein Milliardenmarkt, von dem übrigens auch Geld in islamistische Netzwerke fließt. Dem müssen wir entgegenwirken.

Mehrere Bundesländer – darunter auch Bremen – fordern mehr Hilfe vom Bund und eine Pro-Kopf-Pauschale für jeden Flüchtling. Ist das der richtige Ansatz?
Charles M. Huber: Es wird dem Bund nichts anderes übrig bleiben. Eine Langzeitperspektive bietet das allerdings nicht. Je leichter es den Kommunen fällt, die Versorgung der Flüchtlinge zu organisieren, desto mehr werden kommen. Frage: Sie meinen also: Wir müssen die Bedingungen hier unerträglich gestalten, damit weniger Flüchtlinge kommen? Antwort Charles M Huber: Nein. Wir müssen versuchen, die Menschen, die hierher kommen, zu integrieren. Dazu habe ich auch den Vorschlag der dualen Bildung für Asylbewerber gemacht. Wir müssen aber gleichzeitig versuchen, die Flüchtlingsströme zu stoppen.

Das wollen die meisten. Aber wie geht das?
Charles M. Huber: Wir müssen die Menschen stoppen, bevor sie sich auf den Weg über das Mittelmeer machen. Da sind Transitländer wie Algerien, Libyen aber auch Tunesien gefordert. Eine Kooperation Europas mit diesen Ländern ist auch in deren eigenem Sinne, denn der Menschenschmuggel geht einher mit weiterer Kriminalität und Terrorismus.

Viele Flüchtlinge kommen aus den Ländern des Balkans. Sie halten sie für sichere Herkunftsländer. Sollten also alle Balkan-Staaten als solche eingestuft werden?
Charles M. Huber: Auf jeden Fall. Die Flüchtlinge selbst geben ja wirtschaftliche Gründe für das Verlassen ihrer Heimat an. Der Balkan verdient unsere große Aufmerksamkeit. Es gibt dort auch nach den Kriegen noch große ethnische Spannungen und wenig Arbeit. Wir können diese Probleme aber nicht lösen, das muss vor Ort geschehen. Der Balkan ist sicherlich keine stabile Region. Er wird aber durch die Flucht der Menschen nicht stabiler.

Das Interview führte Ben Zimmermann

Zur Person
Charles M. Huber (58) ist seit 2013 CDU-Abgeordneter im Bundestag. Dort ist er unter anderem Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und hat einen Fünf-Punkte-Plan für die Flüchtlingsproblematik entwickelt. Der Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen ging erst spät in die Politik. Bekannt wurde er als Schauspieler in der Rolle des Polizeikommissars Henry Johnson in der Serie „Der Alte“.